Juli 23

Warum „Good Vibes Only“ Bullsh*t ist

Vor allem in der Welt der Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität begegnet es mir häufig – „Good Vibes Only!“. Da heißt es dann „Du musst nur positiv denken, dann wird das schon.“ Oder: „Wenn du schlecht drauf bist, zweifelst und im Mangel bist, dann ist das ganz schlecht, dann schwingst du niedrig und ziehst umso mehr davon an.“

Auf einer gewissen Ebene stimmt das auch. Ich glaube fest daran, dass die Grundfrequenz die wir in uns tragen, zu einem großen Teil das um uns herum erschafft, was wir im Außen erleben. Wenn ich also tief in mir überzeugt davon bin, dass alles schlecht ist, dass ich nicht gut genug bin, dass die Welt mir Böses will, dann werde ich genau das auch anziehen und als meine Realität erleben.

Es ist allerdings ein Riesenunterschied, ob das meine generelle Grundeinstellung zum Leben ist, quasi der Film, der in meinen Projektor eingelegt ist, und ich dann genau das auf der Leinwand meines Lebens erlebe oder ob meine Grundfrequenz stimmt und ich ab und zu Peaks – bzw. eben Täler – erlebe, in denen eben Dinge auch einfach mal blöd sind.

Die Wachstumschancen

Wenn wir einmal die spirituelle Brille aufsetzen, bist du hier inkarniert, weil deine Seele bestimmte Erfahrungen machen möchte. Und wir erleben uns hier in diesem Leben immer durch die Dualität, durch Gegensätze. Mir wird erst so richtig bewusst, was Gesundheit ist, wenn ich einmal krank war. Ich kann Freude viel stärker erleben, wertschätzen und auch bewusster erschaffen, wenn es mir auch einmal nicht so gut ging. Ich kann viel besser für mich definieren, was ich von diesem Leben möchte, was mich erfüllt und wie ich das Leben für mich gestalten möchte, wenn ich erlebt habe, was ich eigentlich nicht möchte.

Das bedeutet: Phasen von Freude und Phasen, in denen es uns nicht gut geht, sind zwei Seiten derselben Medaille und gehören schlicht zu deiner Existenz als Mensch dazu. Es ist wichtig, beiden Seiten Raum zu geben. 

Das bedeutet nicht, dass du leiden musst oder dass es super ist, wenn es dir schlecht geht. Was ich damit sagen will, ist: Nutze Situationen oder „schlechte“ Phasen, die nicht so sind, wie du sie gerne hättest, um dich selbst besser kennenzulernen und daran zu wachsen. Denn es sind genau diese Situationen, die uns Dinge über uns verraten, die uns noch gar nicht bewusst waren, die wir aber für den nächsten Schritt im Leben so dringend brauchen.

Vor kurzem hatte ich eine Phase, in der scheinbar alles, was ich angefasst habe, wortwörtlich auseinandergefallen ist. Ich war so ziemlich am Boden meiner Werkzeugkiste mit Coping-Strategien angekommen (Ja, das passiert selbst uns Coaches – wenn dir jemand etwas anderes erzählt, dann lauf, so schnell du kannst). Plötzlich ploppte ein Bild in meinen Kopf auf, das meine aktuelle Lebenssituation vollkommen auf den Punkt gebracht hat und gleichzeitig eine Lösung mit sich gebracht hat. Ich wusste, das wird nicht leicht werden, aber ich wusste auch: Das ist der Schritt, der für das nächste Level entscheidend ist. Dafür bin ich so dankbar und darauf wäre ich ohne alles, was vorher war, nicht gekommen.

Der Sinn von Gefühlen

Wenn wir uns nicht mehr erlauben, schlecht drauf zu sein und so tun als wäre das schlechte Gefühl nicht da, kostet das Energie, denn wir drücken etwas weg, was ja faktisch da ist. Und Druck erzeugt immer Gegendruck. Das ist ungefähr so als würdest du mehrere Wasserbälle gleichzeitig unter Wasser zu drücken. Bei einem Ball funktioniert das, vielleicht auch noch mit zwei Bällen, aber sobald es mehr werden, fliegen sie dir irgendwann um die Ohren. Wenn wir dem, was da ist, nicht erlauben, da zu sein, arbeiten wir gegen uns selbst. Wir verurteilen uns, erzählen uns, dass wir nicht richtig sind, weil das, was wir fühlen, nicht richtig ist und wir diese Emotionen nicht haben sollten. Gefühle sind nie falsch! Sie zeigen uns, ob etwas für uns stimmig ist oder nicht und sie sind unser wertvollster Kompass, wenn wir sie lassen.

Traurigkeit zeigt uns z.B., dass wir etwas verloren haben, das uns wichtig war, oder dass wir enttäuscht wurden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: dass etwas, das wir für die Wahrheit gehalten haben, sich als Täuschung herausstellt. Wut kann uns alarmieren, wenn eine Grenze überschritten wurde, wenn unser Selbstwert oder unser Bild von uns selbst, unsere Identität in Gefahr sind. Sie kann uns helfen, für unsere eigenen Bedürfnisse einzustehen und Grenzen zu setzen

Statt es wegzudrücken, erlaube dir lieber, zu fühlen, was da ist und lass es wie durch dich hindurchfließen. Gib dem Raum, was du brauchst – wenn dir nach weinen ist, lass die Tränen fließen. Wenn du dich körperlich abreagieren musst, dann geh zum Sport oder unternimm einen Powerwalk. Und dann setz dich damit hin und schau dir an, was die Botschaft ist, die eigentlich zu dir finden möchte. Meistens beinhalten diese Emotionen gleichzeitig auch schon eine Lösung oder zeigen dir, was du verändern müsstest, damit du wieder on track bist.


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